Wahrnehmung & Aufmerksamkeit
Wahrnehmen bedeutet mehr, als etwas zu hören, zu sehen oder zu spüren.
Unser Gehirn nimmt ständig eine Vielzahl von Reizen auf, filtert und verarbeitet sie und setzt sie miteinander in Verbindung. Erst dadurch können wir Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, unseren Fokus lenken und angemessen reagieren.
Nicht nur für Kinder und Jugendliche ist dieser Prozess von großer Bedeutung. Sie müssen täglich neue Eindrücke und Informationen verarbeiten: beim Zuhören, im Gespräch, beim Spielen, in der Schule oder in einer Gruppe. Häufig finden diese Situationen nicht in Ruhe statt, sondern unter dem Einfluss zahlreicher visueller und akustischer Reize, die gleichzeitig auf uns einwirken. Damit das gelingt, was in diesem Moment gelingen soll, müssen bestimmte Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse zunehmend sicher und automatisiert ablaufen.
Auch Erwachsene erleben, wie hilfreich Automatisierung im Alltag ist. Was wir sicher beherrschen, müssen wir nicht jedes Mal bewusst Schritt für Schritt steuern. Ein einfaches Beispiel ist das Autofahren. Wer gerade den Führerschein gemacht hat, muss an vieles gleichzeitig bewusst denken: schalten, lenken, Geschwindigkeit halten, Verkehrszeichen beachten, Abstände einschätzen und auf andere Verkehrsteilnehmende achten. Mit zunehmender Erfahrung werden viele dieser Abläufe automatisierter. Dadurch bleibt Aufmerksamkeit für andere Dinge frei.
Doch auch automatisierte Abläufe können durch neue oder ungewohnte Situationen wieder mehr Aufmerksamkeit erfordern. Das Radio läuft, wir wechseln auf eine fremde Autobahn und plötzlich führt die Strecke durch eine Baustelle. Jetzt gilt es, die neuen Gegebenheiten schnell zu erfassen und angemessen darauf zu reagieren.
Wie wichtig unsere Fähigkeit zum Filtern ist, zeigt auch der Cocktailparty-Effekt: Selbst inmitten vieler Gespräche können wir einem bestimmten Gespräch folgen. Gleichzeitig kann unser Name oder eine andere für uns wichtige Information aus einem anderen Gespräch unsere Aufmerksamkeit plötzlich auf sich ziehen.
Wenn Wahrnehmung, Verarbeitung und Aufmerksamkeitssteuerung nicht gut zusammenspielen, kann sich das im Alltag ganz unterschiedlich zeigen. Ein Kind hört vielleicht eine Aufforderung, kann sie aber nicht vollständig verarbeiten. Es verliert in einer geräuschvollen Umgebung schnell den Faden, kann sich Informationen nur schwer merken oder wirkt unaufmerksam, obwohl es sich eigentlich bemüht.
Wie gut Wahrnehmung und Verarbeitung zusammenspielen, zeigt sich deshalb oft erst im Alltag: beim Zuhören, Lernen, Spielen oder in Situationen mit vielen Reizen.
Auditive Wahrnehmung und Verarbeitung
Auditive Wahrnehmung und Verarbeitung bezeichnet die Fähigkeiten, mit denen unser Gehirn das, was wir hören, aufnimmt, filtert, unterscheidet und weiterverarbeitet.
Diese Fähigkeiten spielen eine wichtige Rolle dabei, gesprochene Sprache sicher zu verstehen und Informationen über das Gehör zu verarbeiten. Sie bilden außerdem wichtige Voraussetzungen für den Erwerb von Lesen und Schreiben.
Dabei kann es vorkommen, dass das Hören an sich unauffällig und das Organ Ohr gesund ist, die Verarbeitung und Filterung der wahrgenommenen auditiven Informationen aber Schwierigkeiten bereitet. Manchmal ist also nicht das Hören die Herausforderung, sondern das, was danach mit dem Gehörten geschieht.
Die auditive Wahrnehmung und Verarbeitung entwickelt sich auch über die ersten Schuljahre hinweg weiter. Deshalb ist eine aussagekräftige Diagnostik einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS/AWVS) in der Regel erst ab dem 7. Lebensjahr möglich. Sie erfolgt bei entsprechendem Verdacht in einer dafür spezialisierten Stelle, beispielsweise in der Pädaudiologie.
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Die Hörwerkstatt - hören, wahrnehmen, verarbeiten
Hören, Wahrnehmen und Verarbeiten bilden wichtige Grundlagen dafür, Informationen aufzunehmen und daraus zu lernen. Mit gezieltem Eigentraining können diese Fähigkeiten im Alltag regelmäßig und selbstständig trainiert werden.
Das begleitete Heimtraining unterstützt dabei, Hörleistungen zu automatisieren und wichtige Grundlagen für Sprache, Lesen, Schreiben und Lernen zu stärken.
Zielgruppe: Kinder und Jugendliche, sowie ihre Eltern und Bezugspersonen